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| - Zach Braff ist für die meisten vermutlich jemand, mit dem man gern befreundet wäre. Sensibilität, Aufrichtigkeit, Verletzlichkeit – alles gute Eigenschaften für einen engen Vertrauten, den man schon länger kennt. Von Fremden sind solche Gefühlsausbrüche allerdings eher unangenehm und so entscheidet vermutlich jeder Kinobesucher nach Zuschauerhistorie und Sympathie für Zach Braff, ob er Wish I Was Here an sich heranlassen will, oder bei dieser extremen Nabelschau doch eher auf Abstand geht. 250px|rightInhaltlich hat Wish I was here einiges mit Braffs Erstling Garden State gemein. Wieder geht es um einen erfolglosen Schauspieler, gespielt von Braff, der sich mit einer problematischen Vaterfigur auseinandersetzen und die mehr oder weniger üblichen Alltagsprobleme meistern muss, während er nach dem Sinn des Lebens, seinem im Speziellen, sucht. Als sein Vater an Krebs erkrankt und nicht mehr die teuren Schulgebühren seiner Enkelkinder zahlen kann, beschließt Aidan (der Schauspieler), sie zu Hause zu unterrichten, während seine Frau Sarah mit ihrem monotonen Schreibtischjob den Unterhalt für die Familie verdient. Durch die neuen Umstände und den kranken Vater im Mittelpunkt kommen bald lange verdrängte Gefühle an die Oberfläche zurück und alle Beteiligten müssen entscheiden, wie sie in Zukunft leben wollen. 250px|leftDie Kickstarter-Kampagne, mit der Braff seinen zweiten Spielfilm als Regisseur verwirklichte, war letztes Jahr prominent in den Medien vertreten. Während viele begeistert waren und dem Projekt schließlich zu über 3 Millionen Dollar Spenden verhalfen, beschwerten sie andere, dass der erfolgreiche Schauspieler doch selbst genug auf der hohen Kante haben müsste, um das Ganze zu finanzieren. Ich halte das für Quatsch, aber wie man auch dazu stehen mag: Die Aktion hat Braff sicher einigen Stress mit Produzenten und Geldgebern erspart, die normalerweise in das Endprodukt reinreden wollen. Er konnte also genau den Film realisieren, den er sich vorgestellt hat und genau das werden die unterstützenden Fans vermutlich gewollt haben – tatsächlich hätte etwas mehr Beratung von außen letztendlich vielleicht gut getan. Zugegeben: Auch Garden State kann man nicht gerade als subtil bezeichnen, aber das muss ja kein Maßstab sein. Auch mit großzügiger Symbolik fand Braff die richtigen Bilder und vor allem authentisch wirkende Figuren, die dafür sorgten, dass sich der Film nie aufdringlich anfühlte. Wish I Was Here befindet sich dagegen ununterbrochen auf einer Gratwanderung zwischen emotionalem Charakterdrama und totalem Kitsch. 200px|rightBraff hat schon oft seine Stärke bewiesen, Alltagsszenen um kleine Absurditäten zu erweitern und damit sowohl für Lacher zu sorgen, als auch etwas über die Charaktere zu erzählen, die in diese Situationen geraten. In Garden State stand Andrew im neuen Hemd vor der gleich gemusterten Tapete, oder ging an Wasserhähnen mit Bewegungsmeldern vorbei, die dann nacheinander seinen Abgang begleiteten. Solche Szenen gibt es auch diesmal wieder und das rettet Wish I Was Here zum Glück vor der völligen Vertriefung. Die Geschichte selbst ist eigentlich angenehm alltäglich und kommt ohne aufgesetzt wirkende Handlungssperenzchen aus. Es geht um die ganz normalen Probleme einer Familie, in der jeder Frustrationen, Verletzungen und Hoffnungen mit sich herumträgt, die kein geheimes Trauma als Ursprung haben, sondern in unserer westlichen Gesellschaft schlicht ziemlich unvermeidbar sind. Braff hat sich allerdings entschieden, all das, was er eigentlich sehr geschickt auf die Leinwand gebracht hat, noch mal mit einem Voice-Over aus dem Off zu kommentieren. Er erklärt dem Zuschauer also permanent, was diese Bilder da gerade bedeuten, vorzugsweise guckt er dabei als Schauspieler noch mit eindringlichem Blick direkt in die Kamera. Damit nimmt er dem Publikum immer wieder die Chance, sich eigene Gedanken zu machen und einen persönlichen Zugang zu finden und erreicht mit der gewollten Dramatisierung letztendlich genau das Gegenteil. 250px|leftDa ist es schon ziemlich erstaunlich, dass der Film zwischendurch trotzdem sehr berührende Momente hat. Das spricht vor allem für die Qualität der Inszenierung, wenn dann aus dem Off endlich mal Ruhe ist, aber auch für die Leistung der Schauspieler, denen es zum größten Teil gelingt, die ziemlich überladenen Dialoge glaubhaft rüberzubringen. Vor allem Kate Hudson verkörpert die Familienmutter irgendwo zwischen Enttäuschung, guten Vorsätzen und Pflichtbewusstsein sehr überzeugend und bietet mit ihrer pragmatischen Weisheit einen guten Gegensatz zu den sehr emotionalen Männerfiguren. Braffs Vorsatz, mit bestehenden Rollenklischees zu brechen ist natürlich erst mal vorbildlich. Eine herrische Vaterfigur hat zwei Söhne hervorgebracht, die ihn in allem was man mit konventioneller Männlichkeit verbindet – z. B. Karriere machen, die Familie ernähren, Konkurrenzkämpfe austragen – enttäuscht haben. Diese Generation muss ihre Werte jetzt neu definieren und das ist weder für die Männer selbst, noch die Frauen an ihrer Seite, geschweige denn die alte Generation einfach. Dieses Thema ist im Film allgegenwärtig und zwischendurch auch überzeugend umgesetzt. Letztendlich muss man sich aber doch die Frage stellen, ob Braff mit der völligen Überzogenheit der filmischen Repräsentanten dieser neuen Männergeneration ihr in der Realität vielleicht doch eher einen Bärendienst erwiesen hat. Spinelli313 15:03, 8. Okt. 2014 (UTC) 30px|link=30px|link=30px|link=30px|link=30px|link=30px|link=30px|link=30px|link=30px|link=30px|link= Kategorie:Wikia-Kritik
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