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  • VERGANGENHEIT-Episode 1: Erwachen
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  • Ich erwachte in der Einsamkeit eines stillen Waldes, den ein nächtlicher, kalter Mantel schwarz umhüllte, sodass die dürren, verworrenen Äste seiner riesigen, massiven Bäume wie Krallen wirkten, welche allesamt nach mir griffen, einem 17-jährigen Mädchen mit den himmelblauen Augen seiner Mutter und dem dunkelblonden Haar des Vaters. Ich trug ein perlweißes Kleid und für die Feststellung, dass unter meinen Fingernägeln Dreck klebte, benötigte es nicht einmal das fahle Licht des vollen Mondes, der sich die blattlosen Tage des Herbstes zunutze machte, um mich kurzzeitig zu blenden und meine Umgebung, ein kleines, steinerndes, baufälliges Haus mit löchrigen Ziegeln, aber alter, durch dicke Staubfäden bedeckter, Küchenplattform. An meinen Knien klebte Blut, sie schmerzten auch etwas, doch meine
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  • Ich erwachte in der Einsamkeit eines stillen Waldes, den ein nächtlicher, kalter Mantel schwarz umhüllte, sodass die dürren, verworrenen Äste seiner riesigen, massiven Bäume wie Krallen wirkten, welche allesamt nach mir griffen, einem 17-jährigen Mädchen mit den himmelblauen Augen seiner Mutter und dem dunkelblonden Haar des Vaters. Ich trug ein perlweißes Kleid und für die Feststellung, dass unter meinen Fingernägeln Dreck klebte, benötigte es nicht einmal das fahle Licht des vollen Mondes, der sich die blattlosen Tage des Herbstes zunutze machte, um mich kurzzeitig zu blenden und meine Umgebung, ein kleines, steinerndes, baufälliges Haus mit löchrigen Ziegeln, aber alter, durch dicke Staubfäden bedeckter, Küchenplattform. An meinen Knien klebte Blut, sie schmerzten auch etwas, doch meine Erinnerungen waren zu lückenhaft, um die Vergangenheit zusammenzufassen. Alles, was ich vor meinem geistigen Auge sah, war eine gesichtslose Person, eine formlose, stimmenlose, unerkennbare Schattengestalt. Ich erschrak, als ein heller Blitz am Himmel zuckte, um diesen, für einen Wimpernschlag, violett zu färben und hörte erst jetzt das seichte Prasseln des Regens. Ich fühlte mich, mit Ausnahme meiner geschundenen Knien, kerngesund und konnte auf den ersten Blick keine Spuren sexueller Gewalt ausmachen. Draußen, wo ein Gewitter seine Wege zog, wollte ich mich nicht aufhalten, schon gar nicht in dieser verlassenen, aussichtslosen Finsternis. Ich trug keine Schuhe und so betrachtete ich verwundert meine nackten Zehen, an denen etwas Erde klebte. War ich also hierher gelaufen? Das konnte unmöglich sein. Ich versuchte, aufzustehen, da fuhr ein höllischer Schmerz durch mein linkes Bein und ich spürte, wie etwas Warmes an ihm hinablief. Das Mondlicht brachte die dreieckartige Scherbe zum Glitzern, welche sich, auf unbekannte Weise, in mein Fleisch gebohrt hatte. Ich verstand nichts von dem, was hier passierte und überlegte, wie ich am besten mit dem Handicap umgehen solle. Ich setzte mich aufrecht, lehnte meinen Rücken an die Wand und versuchte abermals verzweifelt, mich daran zu erinnern, was geschehen war. Ich massierte mir konzentriert die Schläfen, doch keines der verschwommenen Bilder in meinem Gedankenfluss wurde deutlich genug, um etwas erkennen zu können, das zumindest etwas Klarheit brachte. Bloß gut regnete es. Der Klang beruhigte mich etwas und setzte dem Zittern in meinem gesamten Körper eine willkommene Kraft entgegen. Neben mir stand ein schwarzer Rucksack, dem ich keinem aus meinem Bekanntenkreis zuordnen konnte. Vorsichtig untersuchte ich ihn, doch nirgendwo war die Spur von irgendeiner Person zu erkennen, die mir nahestand. Allmählich wurde mir bewusst, wie unheimlich diese Situation war, doch ich raffte mich zusammen, um meine Sinne unter bestmöglicher Kontrolle zu halten. Bei aufgeschlagenen Knien und einer Scherbe im Bein wirklich keine leichte Angelegenheit. Ich schob den Reißverschluss des Rucksacks nach oben und sah mir kurz an, was sich in seinem großräumigen Innenleben befand. Ein, in schwarzes Kunstleder gebundenes, Tagebuch, daneben ein Handy. Mein Handy. Da lag tatsächlich mein Handy, das den einzigen Lichtblick, den einzigen Ausweg darzustellen schien. Ich kniff kurz die Augen zusammen, als mir das grelle Licht des Displays entgegenschoss. Sie tränten etwas, doch trotzdem gelang es mir, das Passwort einzugeben. Und dieses Passwort war anscheinend nicht mehr sicher, denn irgendwem war es gelungen, meiner Mutter per WhatsApp zu schreiben, ich übernachte bei einer guten Freundin. Bei Samara. Es war 23:00 Uhr. Die Nachricht hatte man gegen 21 Uhr verschickt. Was hatte ich 21 Uhr getan? Ich durchforstete meine Kontakte. Doch alle, dort geschriebenen, Nachrichten hatte man restlos gelöscht. Nichts ließ sich nachverfolgen. Wer immer mich hier hin verfrachtet hatte, hatte an absolut alles gedacht, ohne Kompromisse. Ich rief bei meiner Mutter an. Es wählte. Mein langes Warten wurde nicht belohnt. Anscheinend waren meine Eltern schon zu Bett gegangen. Kategorie:Kurz Kategorie:Artikel ohne Bilder Kategorie:Löschanträge
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