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| - Sielassiel erwachte relativ früh an diesem Morgen, doch sie verspürte anfangs nicht die geringste Lust aufzustehen. Auch verspürte sie weder Hunger noch Durst. Stattdessen drehte sie sich um und starrte die Wand an. Bevor sie es verhindern konnte, dachte sie an das Geschehen des vorigen Abends zurück. Noch einmal sah sie alles klar vor sich, noch einmal schossen ihr die Gedanken und Gefühle durch den Kopf und auch die daraus entstandenen Folgen. Sie hatte Verzweifelt seufzte sie lautlos und versuchte mühsam, die aufsteigenden Tränen niederzuringen.Schließlich gelang es ihr irgendwie. Doch was brachte es ihr, sich hier in ihrem Lager zu verstecken? Gar nichts. Es nahm ihr nicht das schlechte Gewissen. Ganz im Gegenteil. Es verschlimmerte alles nur. Auch würde sie etwas essen und trinken müssen. Ihr Körper brauchte die Nahrung und die Flüssigkeit. Ihr Herz hingegen benötigte etwas anderes, ebenso ihr Gewissen.Erneut seufzte Sielassiel und drehte sich mit dem Gesicht wieder zum Raum. Eine Weile kämpfte sie mit sich, doch dann stand sie schließlich auf. Sie würde erst etwas essen und trinken und dann den Sonnenpriester aufsuchen, um sich bei ihm für ihr gestriges Verhalten zu entschuldigen.Langsam und zögerlich trat sie aus dem Schlafraum und sah sich vorsichtig um. Doch dann erstarrte sie kurz. Dort saß er, an einem Tisch nahe des Eingangs zu den Schlafstätten. Kurz musterte die junge Magierin ihn unauffällig. Hatte er etwa die ganze Nacht dort gesessen, ihretwegen? Er sah auf jeden Fall übermüdet aus. Sofort verschlimmerte sich ihr schlechtes Gewissen. Doch sie trat zögerlich näher. Verwundert bemerkte sie, wie er ihr einen Tee einschenkte und in ihre Richtung schob. Deshalb fasste sie den Mut und setzte sich zu ihm an den Tisch. Nur zögerlich und voller Reue sah sie ihn an. Sie wusste einfach nicht, wie sie sich ihm gegenüber verhalten sollte. Doch schließlich brach sie ihr Schweigen und fing mit etwas Leichterem an. Sie erkundigte sich, ob er die ganze Nacht dort gesessen hätte. Er bejahte dies, und das schlechte Gewissen der jungen Magierin meldete sich nun vermehrt. Die Entschuldigung platzte nur so aus ihr heraus. Es war ihr wichtig, dass er das wusste und dass er ihr verzieh. Und erstaunlicherweise zeigte er keine Wut auf sie, ganz im Gegenteil. Er verhielt sich sehr freundlich und freundschaftlich. Das war der Moment, in dem sich Sielassiel fast alles von der Seele redete, zumindest das, was sie am Vortag und gerade jetzt beschäftigte. Ihr machte es nichts aus, dass Valentinez ihr nicht viel raten konnte. Allein die Tatsache, dass er ihr zuhörte, half ihr schon sehr viel weiter, ebenso seine Gesten, mit denen er sie zu beruhigen und zu trösten versuchte. Doch als sie ihm erneut ihre Gefühle gestand, warnte er sie, dass es niemals zu dem kommen würde, was sie sich erhoffte. Sie wusste das, nur zu gut sogar. Doch ihr reichte eine Freundschaft und darum bat sie dann auch. Er willigte ein, das war mehr, als Sielassiel sich erhofft hatte. Kategorie:Geschichten
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